Rom-Wallfahrt 2006

Internationale Ministrantenwallfahrt nach Rom

Mittwoch, 02.08.

Als Ersatz dazu, dass wir am Tag zuvor ein nicht so großes Frühstück hatten, durften wir uns diesen Morgen am Hotelbuffet richtig satt essen: Croissants, Berliner, Rosinenbrötchen, dazu jede erdenkliche Art von Aufschnitt, Käse, Marmelade, drei verschiedene Kuchen und und und. Trotzdem durften wir nicht zu lange trödeln, denn unser Programm ging ja weiter. An diesem Morgen war es nämlich endlich so weit. Die 44.000 Ministranten strömten auf den Petersplatz für die Audienz mit… DEM PAPST!!!

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Einfahrt des Papstes

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Während der Audienz

Obwohl wir keine Sitzplätze mehr bekamen, hatten wir super Stehplätze an der Absperrung und uns sind einige gute Schnappschüsse des Papstes gelungen. Das Wetter spielte auch wieder mit, denn die Wölkchen waren geblieben. Trotzdem war es immer noch warm und da wir eng standen, fuhren wir nach der Audienz noch mal ins Hotel, duschten und hatten ein bisschen Freizeit.

Ohne Probleme erreichten wir mit der Metro San Giovanni in Laterano. Diese Kirche, die von außen eher wie ein Rathaus aussah als eine Kirche, überraschte uns deswegen sehr von ihrem Innern. Trotz der vielen Malereien und Verzierungen wirkte sie hell und einladend. Das Highlight dieses Tages war die Scala Santa, eine kleine Kapelle zu der eine Treppe führt, die angeblich aus dem Palast von Pontius Pilatus stammt und die Jesus bei seinem Prozess betreten haben soll. Wir nahmen unseren ehemaligen Leiter als Vorbild und knieten alle 28 Stufen hinauf, wobei man bei jeder Stufe ein Gebet beten muss. Obwohl die Knie schmerzten, machten wir keine langen Pausen und weiter ging der Fußmarsch vorbei am Monumento Nazionale a Vittorio Emmanuele II, besser bekannt als die „Schreibmaschine“ und vorbei am Forum Romanum bis wir das Kolosseum erreichten. Besonders faszinierten uns die „Silbermänner“, die eingehüllt in ein silbernes Tuch regungslos auf den Gehweg stehen und so ein bisschen Geld verdienen wollen. In der Hoffnung, einer dieser Männer würde anfangen sich zu bewegen, warfen wir Geld in sein Körbchen, doch wir wurden enttäuscht und erhielten nur eine kurze Verbeugung.

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Scala Santa

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Kolosseum mit weniger bewegungsfaulem "Silbermann"

Auf Hinweis von erfahreneren Romreisenden gingen wir nicht in das Kolosseum hinein, da man von außen alles fast genauso gut erkennt, und sparten uns das Geld, um abends essen zu gehen. Wie sagt der Spruch so schön, „erst die Arbeit, dann das Vergnügen“, und um bei den vielen Kirchen in Rom wenigstens ein paar gesehen zu haben, führte uns der Pfarrer in die Santa Sabina, forderte uns auf, auf dem Boden Platz zu nehmen und zu singen. Verwundert aber neugierig sangen wir eine ganze Viertelstunde unsere hartnäckigen Ohrwürmer, in der Hoffnung, sie dadurch loszuwerden. Unsere Kräfte ließen langsam nach und die Stimmung wurde angespannter, nichtsdestotrotz schleppten wir uns einen kleinen Berg hinauf, um von dort durch das sagenumwobene Schlüsselloch einen Blick auf die Kuppel des Petersdoms zu erhaschen.

Nach dem Abstieg machte sich wieder ein kleiner Teil der Gruppe auf Lokalsuche, während die anderen auf dem Platz Santa Maria Trastevere zurückblieben. Anfangs war nicht mal sicher, ob wir den Platz überhaupt vollzählig erreichen würden, da eine ältere Dame plötzlich mit ihrem Stock auf die eher spärlich bekleideten Mädchen losging, diese auf italienisch anschrie und hartnäckig versuchte, sie zu schlagen. Schnell hasteten wir davon. Der Pfarrer erklärte uns anschließend, dass sie die kurzen Hosen und Tops als eine Unverschämtheit empfände und als wir bei Santa Maria Trastevere ankamen, setzten wir uns erstmal an einen Brunnen, um uns von dem Schock zu erholen.
Wir, immer noch in Singstimmung, wollten schon anstimmen, als wir einen Gitarristen bemerkten, der sich selbst auf der Gitarre begleitete und dazu sang, und das richtig gut! Da wir inzwischen schon so viele Leute in Rom angesprochen hatten, war es auch kein Problem, ihn zu fragen, ob uns einmal Ti amo singen könnte. Kein Problem, und als Dank sangen wir unter argwöhnischen Blicken der anderen deutschen Pilger „stille Nacht, heilige Nacht“ und machten uns danach auf in das ausgewählte Lokal, um zu essen. Der Besitzer war sehr gut drauf und witzelte mit uns herum, im Inneren munterte ebenfalls ein Mann seine Gäste mit Späßchen auf. Leider wurden die Ausdrücke und Witze immer derber, deswegen verzogen wir uns zurück zu unserem Platz und unserem Gitarrenspieler. Ein Mädchen war schon ein richtiger Fan von ihm geworden und fragte prompt nach einem Gruppenfoto. Feuerspucker gaben zur Unterhaltung eine Vorführung zum Besten, die wir begeistert beobachteten, bevor es wieder ins Hotel ging. So aufgewühlt konnte noch keiner richtig schlafen und nach und nach versammelten sich alle im großen Dreierzimmer, um den Abend gemeinsam ausklingen zu lassen.

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Gitarrist auf dem Platz Santa Maria Trastevere

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Entzünden der Wunderkerzen

Donnerstag, 03.08.

An diesem Morgen trafen wir uns erst um 9 Uhr, das hieß, ausschlafen war angesagt. Aber da wir die Nacht lange wach geblieben waren, hatten wir nicht viel mehr Schlaf als bei den vorherigen Tagen. Nach einem zweiten super leckeren Frühstück stiegen wir nur zu 14. in unseren Reisebus und fuhren zu den Domitilla-Katakomben. Dort waren schon viele andere Minis versammelt, die alle zu der Führung in den Katakomben wollten. Begrüßt wurden wir von Manfred Wendel, der mit seiner jugendlichen Art und seinen lustigen Erzählung schnell allen Minis sympathisch war. In kleineren Gruppen wurden wir anschließend durch die bis zu 17km langen Gänge geführt, die früher als Gräber dienten. Manche waren sogar noch original verschlossen und bei den geöffneten ließ sich hin und wieder ein Knochen entdecken. Besonders angenehm war die immer gleich bleibende Temperatur von 18 ° C. Leider ging es zu schnell vorbei und wir saßen kurze Zeit später schon wieder im Bus zurück zum Hotel.

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In den Domitilla-Katakomben

Mittags sollten wir mit den anderen Gruppen aus unserem Hotel nach Tivoli fahren, die hatten aber über eine Stunde Verspätung, da bei der Petersdombesichtigung einfach zu lange Schlangen waren. Die ungewohnte Freizeit verbrachten wir mit Karten schreiben, die uns in den weiteren Tagen noch sehr viel Ärger bereiten sollten. Irgendwann waren alle versammelt und los gings nach Tivoli zur Villa d’Este. In dieser wunderschönen Gartenanlage verbrachten wir den Nachmittag und bestaunten die vielen Brunnen mit ihren Wasserspielen. Doch Vorsicht ist geboten, denn in den Brunnen befinden sich Strudel, die die ins Wasser geworfenen Flip Flops gerne ansaugen und fortspülen. Unsere neu ausgebildeten Gruppenleiter haben auf ihrem Grundkurs lustige Sing und Tanzspiele gelernt, um diese mit den Kindern zu spielen. Von unserem Obermini gehasst, von uns geliebt, und bei einem der Brunnen spritzte das Wasser so, dass wir es uns nicht verkneifen konnten, das Spiel „I’m singing in the rain“ zu singen und zu spielen.

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Villa d'Este in Tivoli

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Singspiel im Springbrunnen

Zurück im Bus, die schreckliche Neuigkeit ! Die Klimaanlage war ausgefallen und mit dem gleichen Bus sollten wir am nächsten Tag wieder 16 Stunden nach Hause fahren. Um den Tag perfekt zu machen, kamen wir fast zu spät zu unserem Treffpunkt mit dem Pfarrer zum Abendessen, weil der Kartenautomat bei der Metro nicht mehr funktionierte und der Mann, bei dem wir die Karten kauften, uns einfach nicht verstand. Nicht auf Deutsch, nicht auf Englisch, nein, nicht mal auf Italienisch. Die Sprachprobleme traten wieder im Lokal auf. Das Toilettenpapier war ausgegangen, und die Betroffenen mussten dreimal die Sprache wechseln, bis sie mit ihrem Problem verstanden wurden. Abends soll ja auf der Piazza Navona besonders viel los sein, also war Piazza Navona unser Ziel an diesem Abend. Neben Gitarristen, Wellensittichverkäufern und vielen vielen mehr zeigte eine deutsche Breakdancegruppe ihr Können. Als mehr oder weniger freiwilliges Opfer suchten sie sich Fenna aus, welche sich mit geschlossenen Augen auf den Boden legen musste, während ein Junge seine Kunststücke über ihr machte. An unserem letzten richtigen Abend durfte ein Eis nicht fehlen und diesmal entschieden wir uns für eine Eisdiele mit 100 verschiedenen Sorten. Die restliche Nacht gestaltete jeder auf seine Weise. Ein Teil besuchte das Nachbarhotel, ein anderer Teil machte es sich nur auf der Terrasse gemütlich und wieder andere fingen schon einmal an, ihre Koffer zu packen, bevor sie schlafen gingen.

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Nach der Breakdance-Perfomance

Freitag, 04.08.

Jeden Morgen durften wir ein bisschen später aufstehen. Um 10 Uhr (nach dem letzten super leckeren Frühstück) verstauten wir unsere Koffer schon in unserem Bus, und wir machten unsere letzte Tour durch Rom. In der letzten Kirche Santa Maria Maggiore, die auf Grund folgender Legende ihren Namen erhielt: Papst Liberius und einem römischen Kaufmann sei in der Nacht auf den 5. August 352 im Traum die Jungfrau Maria erschienen. Sie habe darum gebeten, dass dort ihr zu Ehren eine Kirche errichtet werden solle, wo am nächsten Morgen Schnee liegen würde. Tatsächlich fand sich am nächsten Morgen (Anfang August!) auf dem Hügel des Esquilin Schnee, und Papst Liberius errichtete dort ein Gotteshaus. In dieser Kirche bestaunten wir erst die Reliquie, schlichtes Holz der Krippe von Bethlehem, und wollten anschließend zu einem Markt.

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Santa Maria Maggiore

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Aber es gab keinen Markt, als Ersatz fanden wir ein Karussell. „Wir sehen die Leute hier eh nie wieder“, dachten wir uns, fragten vorsichtig nach, ob wir auch auf dem Karussell fahren dürften. Da der Mann sichtlich überfordert war, 0,75 Euro mal 12 zu rechnen, machte er uns einen Rabattpreis und los ging die Fahrt auf fliegenden Pferden, die anstatt einer Mähne nur Staubwedel auf dem Kopf hatten.

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Karussell-Fahrt

Bis zum Abschlussgottesdienst hatten wir freie Zeit, die wir endlich zum Shoppen nutzen konnten. Schon die letzten zwei Tage hatten wir vergeblich nach Briefmarken gesucht, jetzt endlich wollten wir unsere Karten abschicken. Doch in der Post hieß es, wir müssen über eine Stunde warten. Für 4 Briefmarken!!! Die kleineren Geschäfte hatten alle keine mehr und irgendwann, als wir die Hoffnung fast aufgegeben hatten, bekamen wir sie. Unsere Briefmarken. Aber,… Wo waren die Briefkästen? Wir fragen einen italienischen Polizist, der uns umständlich versuchte, den Weg zur Post zu erklären, die aber viel zu weit weg lag. Da es eh bald Zeit für den Abschlussgottesdienst war, machten wir uns auf den Weg zurück, bogen um die Ecke und wären fast gegen einen Briefkasten gelaufen! Der Tag war gerettet.

Schnell kauften wir im nächsten Supermarkt ein bisschen Reiseproviant und ein Messer ein, um unser Brot zu schneiden. Man konnte laut Packung zwar gefrorenen Spinat damit schneiden, aber leider nur mühselig das Brot, wobei auch der eine oder andere Finger mitgeschnitten wurden. Vor dem Gottesdienst nahmen wir uns die Zeit, eine kleine Reflexion zu machen, bei der jeder seine Eindrücke sagen durfte. In Erinnerung blieb die gute Stimmung in der Gruppe und die vielen Sachen, die wir in so kurzer Zeit sehen durften. Wir beteten das Minigebet und gingen dann hinein, in St. Paul vor den Mauern, wo fünf Tage vorher alles anfing, und wo es auch jetzt wieder enden sollte.

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Abschlussgottesdienst mit Erzbischof und Lichteffekten...

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Der Gottesdienst war mit Lichteffekten gestaltet und regte uns sehr zum Nachdenken an. Es war auf jeden Fall eine schöne Zeit! Da am Ende 9000 Ministranten gleichzeitig im Bus nach Hause fahren wollten, mussten wir erst eine halbe Ewigkeit zu unserem Bus laufen. Dort angekommen fuhren wir gleich los, 16 Stunden zurück. Wir winkten ein letztes Mal den anderen Pilgern auf den Straßen und schon lag Rom hinter uns.

Samstag, 05.08.

Die Fahrt verbrachten wir größtenteils, wer hätte es gedacht, mit schlafen. Auch ohne Klimaanlage war es kühl genug, in der Nacht mussten die meisten sogar ihre Pullis anziehen. Auf den Mädchenklos der Raststätten waren wie bei der Hinfahrt lange Staus, aber die Fahrt verlief ruhig und wir erreichten gegen Mittag sicher das verregnete Karlsruhe, wo unsere Eltern schon auf uns und unsere Berichte warteten.

Bericht: Christina Bayer

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