
Eines Freitagabends im November trafen wir uns in St. Konrad, um uns des Nachts per Rad in den Hardtwald zu begeben. Doch zuerst ministrierten wir zusammen den Visitationsgottesdienst mit dem Karlsruher Dekan. Da es danach leicht zu regnen begann, war zunächst unsicher ob wir losfahren oder doch lieber auf das Regenprogramm ausweichen sollten. Da aber alle lautstark dafür stimmten doch zu fahren und der Regen zu diesem Zeitpunkt noch nicht so stark war, tastete sich - sobald die Startschwierigkeiten (Probleme mit der Kette) überwunden waren - eine lange Schlange von Fahrradlichtern durch die Dunkelheit.
Bald hatten wir die letzten Straßenlaternen hinter uns gelassen. Nach einem kurzen Wegstück am Waldrand bogen wir schließlich in den dunklen Hardtwald ein. Anschließend fuhren wir auf der vierten Querstraße, der Friedrichstaler Allee, weiter in Richtung Norden. Trotz der Dunkelheit konnte eine weitere Panne (wiederum Kette eingeklemmt) schnell behoben werden. Im weiteren Verlauf trafen wir noch den Förster, der gerade auf dem Heimweg war.

Nach gut der Hälfte unserer Tour erreichten wir den Pfinzkanal, der mitten durch den Hardtwald führt. An einem Weg in der Nähe stellten wir unsere Fahrräder ab und ließen eine Leiterin zur Bewachung der Räder zurück. Weiter ging es zu Fuß in den Wald hinein, und an der nächsten Wegkreuzung hörten wir eine Gruselgeschichte, die von einem Fährmann, der angeblich über den Pfinzkanal rudern sollte, handelte.
Auf dem Rückweg hörten wir schon von weitem die Aufsichtsperson für die Räder rufen. Schnell eilten wir herbei und fahnden sie blass und blut- (bzw. Ketchup-)verschmiert an einen Baum gefesselt vor. Unsere Fahrräder waren natürlich auch weg. Sogleich machten wir uns daran, die Leiterin zu befreien, wobei kurz darauf zwei maskierte Leute aus dem Gebüsch sprangen, die den traditionellen Überfall durchführten, der allerdings wegen der heftigen Gegenwehr nicht besonders erfolgreich verlief. Selbstverständlich überfielen uns zwei wohlbekannte Gruppenleiter aus St. Konrad, und unsere Räder wurden auch nicht wirklich geklaut, wir waren nur an einer anderen, aber ähnlich aussehenden Stelle beim Pfinzkanal.

Der Pfinzkanal bei Tag
Auf dem Heimweg wurde der leichte Nieselregen leider etwas stärker, so dass wir vollkommen durchnässt nach insgesamt ca. 20 Kilometern wieder in der Nordweststadt ankamen. Trotzdem war die Nacht-Radtour eine einprägsame Erfahrung, besonders für die zwei Gruppenleiter, die uns überfallen wollten...
Gegen 19:00 Uhr packten die Zwei Seil und Ketchupflasche in die Rucksäcke, um dann - ebenfalls mit den Rädern - in den Hardtwald aufzubrechen. Schon auf dem Hinweg fiel bei Gruppenleiter Martin die Kette herunter, doch dies sollte nicht das einzige Problem werden: bald war die Stelle am Pfinzkanal gefunden, und man legte die Räder ins Gebüsch und versteckte sich. Nach einiger Zeit fuhr eine Radfahrerin vorbei, und unsere Gruppenleiter grüßten sie mit "Hallo" und "Servus". Das hätten sie besser nicht gemacht, denn bei der Frau kam der Gruß wie ein unverständliches Gemurmel an, und deshalb informierte sie die Polizei. Ein Streifenwagen kam herbeigefahren, das Missverständnis konnte dann aber schnell ausgeräumt werden.
Nach dem Überfall fuhren die zwei Leiter zusammen mit der Gruppe zurück. Allerdings nicht bis ganz zum Schluss: denn nach zwei Bodenwellen fiel bei Martins Fahrrad mal wieder die Kette runter, meinten sie zumindest. Der anschließende Knall verhieß aber nichts Gutes: der Hinterreifen war geplatzt! Flicken wäre zwecklos gewesen, deshalb war Schieben angesagt. Und an der nächsten Bushaltestelle wurde unser armer Gruppenleiter auch noch vom Busfahrer stehen gelassen, weil das Fahrrad und seine Kleidung zu schmutzig waren.

Das kaputte und stark verschmutzte Fahrrad
