Am 9. November 1938 zerstörten Handlanger der Nationalsozialisten die beiden Karlsruher Synagogen. Seit vier Jahren erinnern Jugendliche am Jahrestag mit einer Mahnwache am Standort der liberalen Synagoge in der Kronenstraße an die Barbarei der Reichspogromnacht, in der überall in Deutschland jüdische Einrichtungen und Geschäfte demoliert wurden. Zum ersten Mal standen jetzt mit den Ministranten und Pfadfindern der katholischen Seelsorgeeinheit St. Konrad / Heilig Kreuz kirchlich orientierte junge Leute an der Gedenkstätte. Zuvor hatten sie die Biografie von Adolf Heimberger recherchiert und der im Stadtarchiv entstehenden Sammlung der Biografien aller 986 von den Nazis ermordeter Karlsruher Juden beigefügt. Heimberger, Kastellan der Synagoge an der Kronenstraße, war Großvater von Paul Niedermann, der dem Lager Gurs entkommen ist und seit Jahren in Karlsruher Schulen für ein "niemals mehr" wirbt. Heimberger, der ebenfalls nach Gurs verschleppt worden war, verhungerte dann 1942 im Lager Noe. Bei einem Besuch der Mahnwache lobte Bürgermeister Harald Denecken den Einsatz der jungen Menschen, die nicht nur stumm Wache hielten, sondern der Opfer auch aktiv gedachten.
