Biographie von Adolf Heimberger

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Name: Adolf Heimberger
Geburtsdatum: 26.05.1866
Geburtsort: Sindolsheim bei Mosbach im Odenwald / Bauland, Marktstraße 6 (heute ein Gasthaus)
Konfession: Heimberger entstammt einer streng religiösen jüdischen Familie. So war die Einhaltung der Feste und koscheres Essen eine Selbstverständlichkeit.
Hochzeit: Adolf Heimberger heiratet Wilhelmine Eichstetter, die aus einer jüdischen Religionslehrerfamilie aus Kuppenheim bei Rastatt kommt.
Berufsweg: Adolf Heimberger verbrachte seine Kindheit in Sindolsheim. Nach einer Religionslehrerstelle in Kuppenheim bei Rastatt wurde er Kirchendiener (Kastellan) in der Karlsruher Synagoge. Dessen Aufgabenbereiche umfassten:
  • Bedienung des Geistlichen im Gottesdienst
  • Verantwortung für die Gebetbücher
  • Planung der Sitzordnung für die Feiertage
  • Verwaltung alles Materiellen in der Synagoge

Während des 1. Weltkrieg leitete er außerdem das jüdische Krankenhaus.

Eltern: Die Eltern von Adolf Heimberger waren Aron Heimberger (geb. 1835) und Rebekka Friedberger (geb. 1840) aus Wachbach
Familie: Adolf Heimberger hatte zwei Geschwister, Jakob und Regine. Das Mädchen war die jüngste von den dreien, Adolf der zweitälteste. Jakob und Regine wanderten bereits zum Ende des 19. Jahrhunderts nach Amerika aus. Zusammen mit seiner Frau Wilhelmine hatte Adolf Heimberger drei Kinder, die innerhalb von nur drei Jahren geboren wurden:

1897 Friederike 1898 Gertrud 1899 Emil

Friederike ist die Mutter von Paul Niedermann, der uns bei seinem Besuch viel über das Leben seines Großvaters zu erzählen wusste.

Besonderheiten: Heimberger war neben seiner Arbeit als Kastellan der Israelitischen Religionsgemeinschaft Mitglied im Männerkrankenverein und im Verein Malbisch Arumim. Aufgrund seiner Arbeit als Kastellan hatte die Wohnung der Familie sogar ein Diensttelefon; an die Nummer konnte sich Paul Niedermann erstaunlicherweise noch erinnern. Sie lautete 57 57!
Tod: Deportation am 22. Oktober 1940 nach Gurs (Frankreich). Adolf Heimberger starb im Lager Noé am 14.01.1942 im Alter von 75 Jahren an Hunger. Seine Frau Wilhelmine kam mit dem Leben davon, sie starb 1952 in Baltimore / USA.

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Emil, Gertrud und Friederike Heimberger (von links nach rechts)

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Markstraße 6 in Sindolsheim, hier verbrachte Heimberger seine Kindheit

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Familie Heimberger, um 1920

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Adolf Heimberger mit Enkeln Arnold und Paul

 

Vom Balkon aus sieht der Kastellan seine Synagoge brennen...

1936 musste die Familie auf Veranlassung der Nazis in die Herrenstraße 14, eine neue Dienstwohnung, umziehen. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 (der sog. Reichskristallnacht) sehen sie hilflos vom Balkon ihres Hauses aus dabei zu, wie die jüdischen Geschäfte zerstört und die Synagoge, in der Heimberger bisher arbeitete, in Brand gesetzt wurden. Doch Adolf Heimberger wird im Gegensatz zu den jüngeren Familienmitgliedern nicht von der Gestapo abgeholt, da er zu alt ist.

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Kronenstraße 62 in Karlsruhe, Wohnhaus bis 1936

Mangels Geld und Pässen war aber eine Flucht für Heimberger unmöglich geworden. Außerdem hatten die Einreiseländer Einwanderungsquoten, es war also nur einer gewissen Zahl Emigranten erlaubt einzureisen. Und Heimbergers Nummer in der Warteliste war so weit hinten, dass die Ausreise erst drei Jahre später hätte erfolgen können, was leider für ihn zu spät war. Also blieb die Familie weiterhin in Karlsruhe, die Synagoge wurde nach dem Brand in die Herrenstraße 14 – also gleich neben die Dienstwohnung des Kastellans – verlegt.

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Herrenstraße 14 in Karlsruhe

Am 22. Oktober 1940 klopfte es an die Tür: drei Gestapo-Beamte in ihren markanten Ledermänteln forderten die gesamte Familie auf, herunterzukommen und höchstens 100 Reichsmark und Handgepäck mitzunehmen. Die Zugfahrt ins Konzentrationslager Gurs (Frankreich) dauerte 3 Tage und 4 Nächte. Später wurde Adolf Heimberger aufgrund seines Alters in das sogenannte „Sterbelager" Noé (Frankreich) verlegt, da Gurs extrem überfüllt war. In Noé wurden hauptsächlich Alte und Kranke untergebracht, die ohne weiteres Zutun sterben sollten. Adolf Heimberger starb dort am 14.01.1942 im Alter von 75 Jahren an Hunger.

Seine Frau Wilhelmine überlebte das Konzentrationslager und wurde schließlich von den Alliierten befreit. Ironie des Schicksals: der Hunger im KZ war für Wilhelmine Heimberger ausgerechnet wegen ihrer Diabetes besser zu ertragen; im Lager stand sie gezwungenermaßen unter Diät. Nach der Befreiung wurde sie von Verwandten in Südfrankreich aufgespürt und nach Baltimore / USA gebracht, wo sie im Jahre 1952 starb.

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Kennkarte Wilhelmine Heimberger

(Deutlich sind das "J" für Jude als Zeichen der amtlichen Diskriminierung und der Zusatzname "Sara", mit dem alle jüdischen Frauen unterschreiben mussten (Männer: Israel) zu erkennen.)

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Gedenkstein für die ermordeten Karlsruher Juden

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