In der Nacht vom 9. auf den 10.11.1938 wurde in der Kronenstraße in Karlsruhe die Synagoge von den Nationalsozialisten zerstört. Diese Reichspogromnacht sollte nicht in Vergessenheit geraten, und deshalb initiiert unser Pfarrgemeinderatsvorsitzender Peter Baumbusch jedes Jahr eine Mahnwache zum Gedenken an dieses dunkle Kapitel deutscher Geschichte. Bisher wurde die Mahnwache immer von Schülerinnen und Schülern durchgeführt, doch in diesem Jahr - der 9.11. fiel auf einen Samstag - erklärten wir uns bereit, die Mahnwache zu halten.
Um uns mit dem Thema näher auseinander zu setzen, erstellten wir die Biographie eines ermordeten Karlsruher Juden, Adolf Heimberger, die auch für das virtuelle Gedenkbuch der Stadt Karlsruhe bestimmt ist.
Zeitgleich zur Mahnwache fand um 10:00 Uhr auch die Vorstellung unseres Projektes und die Einlegung verschiedener Biographien in das Gedenkbuch der Stadt Karlsruhe statt. Zu diesem Anlass wurden wir in das Stadtmuseum im Prinz-Max-Palais eingeladen. Nachdem der Südwestrundfunk seine Filmaufnahmen abgeschlossen hatte, hielten der Kulturreferent und Frau Dr. Asche vom Stadtarchiv Karlsruhe eine Ansprache. Anschließend durften wir die Biographie von Adolf Heimberger verlesen, und danach war noch Zeit für einen kurzen Gedankenaustausch mit den Autoren anderer Biographien.

An der Mahnwache selbst beteiligten sich neben den Ministranten St. Konrad die Pfadfinder sowie die Jugend der Nachbarpfarrei Heilig Kreuz. Die Minis Hl. Kreuz übernahmen den Aufbau und die erste Schicht von 10 bis 11 Uhr, die aufgrund des schlechten Wetters als die Anstrengendste von allen bezeichnet werden kann: es regnete in Strömen, und außerdem war es recht kalt. Doch trotz allem wurde das Aufstellen der (dankenswerterweise von Herrn Wild gebrachten) Stellwände gemeistert, und nach rund einer Stunde Mahnwache kam das Fernsehteam vom Südwestrundfunk vorbei, das Aufnahmen für die Landesschau machte.

Mahnwache im Regen (11:00 Uhr)
Wache halten, Informieren vor der Stellwand und Flugblätter verteilen gehörten zu unseren Aufgaben, alle 20 Minuten wechselten wir uns ab. Bei der Wache standen immer zwei von uns mit Kerze in der Hand vor dem Denkmal der ehemaligen Synagoge. Vor der Stellwand ging es mal ruhig, mal wieder etwas hektischer zu, je nachdem wie viele Leute Interesse zeigten.
Die abwechslungsreichste Aufgabe war das Verteilen der Flugblätter, bei dem man auf die unterschiedlichsten Reaktionen der Passanten traf. Viele liefen einfach weiter oder raunten, dass sie schon eines bekommen hätten. Aber es gab auch sehr viele positive Rückmeldungen von den Leuten. So gab es z.B. einen Straßenbahnfahrer, der mit der Klingel auf sich aufmerksam machte und dem ein Flugblatt ins Fahrerhaus gereicht wurde.

Das Verteilen der Flugblätter
Nach einer Stunde Wache im Regen wurden die Knielinger Minis von denen aus St. Konrad abgelöst. Im Laufe der Zeit ließ der Regen nach, weshalb dann auch mehr Leute sich Zeit ließen unsere Plakate anzuschauen. Da wir für ganze drei Stunden ausharren sollten, waren wir für die Brezel-Spende und das Brot und den Schafskäse, die uns vorbeigebracht wurden, besonders dankbar.

Vor den Stellwänden

Gegen 14:00 Uhr waren dann die Pfadfinder an der Reihe, das Wetter war zwar nach wie vor kalt, aber inzwischen trocken. Und außerdem kam wenig später Bürgermeister Harald Denecken, der uns in einer kleinen Ansprache seine Anerkennung aussprach. Besonders freuten wir uns, dass auch Paul Niedermann gekommen war, der uns auch gleich noch mitteilte dass das - heute noch erhaltene - Gebäude neben der Synagoge früher die jüdische Schule war. Außerdem waren unsere Pfarrer ebenfalls anwesend. Anschließend wurde noch ein Foto für die BNN und die Stadtzeitung geschossen.

Paul Niedermann schaut sich die Biographie seines Großvaters an

Mahnwache

Paul Niedermann, Bürgermeister Denecken und Herr Baumbusch
Um 16:00 Uhr ging unsere Mahnwache zu Ende. Es war für uns eine neue positive Erfahrung, Menschen über Geschichte zu informieren und ihnen die Hintergründe zu erklären - und nebenbei hat es uns auch viel Spaß gemacht.

KA, 3.11.2002

DER SONNTAG, 10.11.2002

BNN, 11.11.2002 [Artikel]

StadtZeitung, 15.11.2002 [Artikel]

Konradsblatt 48/2002, Konradsblatt 41/2002 [Artikel]