Gefängnisgottesdienst

30.6.2002, Sonntag morgens, irgendwann zwischen sechs und sieben Uhr:
Vier mutige Ministrantenleiter begeben sich zusammen mit ihrem Pfarrer per Auto in die Riefstahlstraße. Dort ansässig ist das Untersuchungsgefängnis (Justizvollzugsanstalt = JVA) Karlsruhe. Ihr gemeinsamer Auftrag: einen Gottesdienst für die Gefangenen musikalisch zu gestalten. Mit quietschenden Reifen biegt Pfarrer "B." um die Ecke, und stellt sein Gefährt im absoluten Haltverbot vor den Gefängnismauern ab.

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Sofort wird das "Priester im Dienst"-Schild hervorgeholt und unter die Windschutzscheibe geklemmt. Wie im Film stehen wir vor einem großen eisernen, grauen Tor, das in der Mitte ein Guckloch für den Pförtner besitzt. Wir klingeln...

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...zunächst reagiert niemand. Erst beim dritten Anlauf wird der elektrische Türöffner betätigt - drinnen wartet schon ein freundlicher Gefängnisbediensteter, dem wir unsere Ausweise aushändigen müssen. Kurz darauf erscheint der Gefängnisseelsorger, der uns mit Hilfe seines Schlüssels durch mindestens fünf abgeschlossene Türen und Gitter zur Gefängniskapelle führt. Unser äußerst verdächtiger Gitarrenkoffer wird nicht beanstandet...

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Innen sind Gitter überall, ganz genau so wie man sich ein Gefängnis eben vorstellt. In der Kapelle stimmen wir die Gitarre durch und bereiten alles vor.

7:45 Uhr:
Offizieller Beginn des Gottesdienstes. Doch bisher ist noch kein Gefangener erschienen. Das lässt uns die Zeit, den äußerst engen Innenhof der Haftanstalt anzuschauen. Alle Zellen sind übrigens zum Innenhof hin gerichtet, keine nach außen.

7:53 Uhr:
Die Untersuchungshäftlinge erscheinen und jeder von ihnen wird persönlich vom Pfarrer begrüßt; der Gottesdienst beginnt. Rechts vom Altar: der "Block" der Russlanddeutschen. Zum Eingang singen wir mit Gitarrenbegleitung Blowing in the wind. Anschließend gleich die erste Erkenntnis: hier sprechen nur ca. 50% Deutsch. Begrüßung und Evangelium werden deshalb auf Deutsch und Englisch gehalten. Zum Gloria interpretieren wir "Singt dem Herrn alle Völker"; die Lesung wird von der Oberministrantin gelesen. Nach dem Zwischengesang ("Du Herr gabst uns Dein festes Wort") und der auf das spezielle Klientel zugeschnittenen Predigt von Pfarrer B. wurde Go down, Moses gesungen.

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Die JVA Karlsruhe von außen

Zum Sanctus dann "Lobet und preiset ihr Völker den Herrn", leider haben wir den Ton "nicht ganz" getroffen (wir lagen ziemlich daneben). Schmunzeln in den Rängen. Eigentlich komisch, dieser Kanon funktioniert doch eigentlich immer....

Während der Kommunion wurde instrumental mit Panflöte und Gitarre El condor pasa gespielt.

Zum krönenden Abschluss sangen wir dann Oh when the Saints und frühstückten bei Pfarrer B. im Pfarrhaus von St. Konrad J

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